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TRAUMA – Zeitschrift TRAUMA, Heft 1/2022: Schwerpunktthema: Häusliche Gewalt - Herausgegeben von Anja Steingen (Asanger Verlag)

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Themenschwerpunkt:Häusliche Gewalt (Hrsg. Anja Steingen). Eine der häufigsten Menschrechtsverletzungen unserer Zeit ist weltweit, in allen Kulturen, Ethnien, Religionen und sozialen Schichten, die Gewalt von Männern an ihren Partnerinnen bzw. Ex-Partnerinnen. Obwohl häusliche Gewalt alltäglich so viele Menschen betrifft, ist sie noch immer ein Tabuthema, bleibt oft unerkannt oder unbenannt. Die AutorInnen möchten zu einem grundlegenden Verständnis der Thematik beitragen - u.a. über die gesundheitlichen Auswirkungen von häuslicher Gewalt auf Frauen, Kinder und Jugendliche informieren; erklären, wie es vom misshandelten Kind zum Täter häuslicher Gewalt kommt; und Kenntnisse über wirksame Unterstützungsmöglichkeiten, über Schutz und Beratung für gewaltbetroffene Frauen und deren Kinder vermitteln.

 

Inhalte des Heftes:

 

Die gesundheitlichen Auswirkungen von häuslicher Gewalt für Frauen (Silke Schwarz)

Viele Frauen erleben in ihrer Partnerschaft oder im häuslichen Umfeld psychische, sexualisierte und/oder physische Gewalt, die zu ernsthaften, teils lebenslangen Gesundheitsproblemen führen kann. Viele Betroffene irren jahrelang durch das Gesundheitswesen, das die Beschwerden irrtümlicherweise nicht mit der Gewalterfahrung in Verbindung bringt. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die gesundheitlichen Auswirkungen von Gewalt für betroffene Frauen. Zunächst werden die körperlichen und sozialen Folgen beschrieben. Danach werden die zahlreichen psychischen Beschwerden und typische Traumafolgestörungen erläutert.

 

Auswirkungen häuslicher Gewalt auf Kinder bzw. Jugendliche und Unterstützungsangebote (Heinz Kindler)

Häusliche Gewalt ist durch die wiederholt belegten negativen Langzeiteffekte ein wichtiges Kindeswohlthema. In einer Bevölkerungsstichprobe erfüllten etwa zehn Prozent der Jugendlichen, die jemals körperliche Gewalt zwischen Eltern erlebt hatten, die Kriterien einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Aufgrund mehrfach belegter Dosiseffekte sind die PTBS-Raten in klinischen Stichproben und Stichproben aus Frauenhäusern wesentlich höher. Interventionen zielen auf eine Beendigung der Gewalt und Unterstützung für Kinder und Bezugspersonen.

 

Die Dynamik von häuslicher Gewalt in bestehenden Paarbeziehungen und nach Beziehungsende (Heike Küken-Beckmann, Nicole Kratky)

Dargestellt werden dynamische Verlaufsstrukturen häuslicher Gewalt sowohl im Rahmen bestehender Paarbeziehungen als auch nach deren Beendigung. Die Dynamik bestehender Paarbeziehungen wird auf sog. Zyklusmodelle referiert, während sich die dargestellte Dynamik nach Beendigung der Paarbeziehung primär auf die parentale Kooperation im Sinne gemeinsamer Kinder der (vormals) Gewalterfahrenden und -ausübenden bezieht. Ergänzt werden die theoretischen Ausführungen durch praktische Impulse aus langjähriger beruflicher Tätigkeit im Rahmen familienrechtspsychologischer Begutachtung.

 

Das Interventionsnetz bei häuslicher Gewalt – Akteure, Aufgaben und rechtliche Kooperationsmöglichkeiten in Deutschland (Marion Ernst)

Häusliche Gewalt ist ein weit verbreitetes, komplexes soziales Phänomen, dessen Bekämpfung einer gesamtgesellschaftlichen Antwort bedarf. Denn keine einzige Organisation ist in der Lage, dies alleine zu bewerkstelligen. Erforderlich ist eine aufeinander abgestimmte, ineinandergreifende Kooperation. Voraussetzung für das reibungslose Funktionieren ist die Kenntnis der Aufgaben und Befugnisse der wichtigsten zuständigen Organisationen wie auch der rechtlichen Grundlagen der Kooperation.

 

Schutz und Beratung für gewalt­betroffene Frauen und deren Kinder – Struktur, Zugang und Hürden (Johanna Thie)

In Deutschland hat sich innerhalb der letzten Jahrzehnte ein differenziertes Hilfesystem für Schutz und Unterstützung bei häuslicher Gewalt aufgebaut. Doch noch immer existieren große Herausforderungen und Lücken im Hilfesystem. Der Beitrag gib einen Einblick über die Struktur und die Angebote der Einrichtungen, die Lücken sowie die uneinheitliche Finanzierung der Versorgungslandschaft.

 

Der transgenerationale Zyklus: Vom misshandelten Kind zum Täter häuslicher Gewalt (Anja Steingen)

Es gibt verschiedene Tätertypen häuslicher Gewalt, und bei allen zeigt sich ein enger, wenn auch nicht direkter, Zusammenhang zwischen Kindheitstraumata und dem Verüben von Paargewalt. Dieser wird u.a. durch posttraumatische Symptome vermittelt, die auch mit einer erhöhten Rückfälligkeit einhergehen. Täterarbeit sollte deshalb traumasensibel sein. Darüber hinaus kann die Unterscheidung von Tätertypen und die Berücksichtigung subtypspezifischer Besonderheiten perspektivisch zu gezielteren Interventionen führen. Um häusliche Gewalt nachhaltig zu reduzieren, müssen Täterprogramme in ein interinstitutionelles Netzwerk eingebunden sein.

 

Täterarbeit und der Borderline Dysphoric Typus: Aktuelle Behandlungsmöglich­keiten und -grenzen (Marc Thomas)

Die Holzworth-Munroe & Stuart Tätertypologie spielt in der Täterarbeit eine zentrale Rolle. Empirische Untersuchungen und Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass für Täter des Subtyps Borderline/Dysphoric eine kognitiv-behaviorale Ausrichtung bisheriger Täterprogramme nur eine eingeschränkte Effektivität hat. Täterarbeit und Behandlungsfokus müssen für eine adäquate Gewaltbearbeitung für diesen Typus modifiziert und erweitert werden. Das Gruppensetting muss diesbezüglich prozesshaft, psychodynamisch und traumasensibel konzipiert sein. Zudem muss eine tätertypologisch-differenziertere Diagnostik und Risikoeinschätzung erfolgen.

 

Die Istanbul-Konvention: Die Rolle der Täterarbeit bei der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen (Gerhard Hafner)

Die Istanbul-Konvention fokussiert die Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt und ist ein großer Erfolg der Frauenbewegung. Setzt die Täterarbeit diese klaren feministischen Ziele in ihrer praktischen Arbeit um?

 

Welche Unterstützung das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ deutschlandweit bietet (Stefanie Keienburg)

Der Beitrag zeigt, welche Unterstützung das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ als Erstanlaufstelle für gewaltbetroffene Frauen leistet. Darüber hinaus können sich Menschen aus deren sozialem Umfeld sowie Fachkräfte an das Hilfetelefon wenden. Insbesondere in der gegenwärtigen pandemiebedingten Krisensituation schließt das Hilfetelefon Beratungslücken: Die Beraterinnen sind unter der Rufnummer 08000 116 016 und online auf www.hilfetelefon.de 365 Tage im Jahr rund um die Uhr zu allen Formen von Gewalt erreichbar. Die Beratung erfolgt anonym, vertraulich, barrierefrei und in 17 Fremdsprachen.

 

Kinder- und Jugendintervention nach häuslicher Gewalt: „Der Wendepunkt“ der Diakonie Michaelshoven in Köln (Regina Wilhelm)

Kinder, die Opfer von häuslicher Gewalt wurden, haben einen Unterstützungsbedarf, dem der gewaltbetroffene Elternteil in der gegenwärtigen, eigenen krisenhaften Lebenssituation häufig nicht oder nur unzureichend gerecht werden kann. „Der Wendepunkt“, ein integriertes Angebot des Frauenberatungs- und Gewaltschutzzentrums der Diakonie Michaelshoven in Köln, hat deshalb neben der Gewaltschutzberatung gewaltbetroffener Frauen ein paralleles Angebot zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen entwickelt, die häusliche Gewalt miterlebt haben. Die Beratung wird bzgl. Alter der Kinder/Jugendlichen, Dauer und Art der Gewalt sowie auf die individuelle Situation und Bedürfnisse abgestimmt.

 

Die Zeitschrift „TRAUMA – Häusliche Gewalt“ kann hier portofrei für 19 Euro bestellt werden:

19,00 EUR

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